Scheinschwangerschaft beim Hund: Symptome erkennen und richtig reagieren
Viele Hundehalter erschrecken zunächst, wenn ihre Hündin plötzlich Spielzeug bemuttert, unruhig wirkt oder sogar Milch bildet – obwohl keine Trächtigkeit vorliegt. Hinter diesen Veränderungen steckt häufig eine sogenannte Scheinschwangerschaft beziehungsweise Scheinträchtigkeit. Dabei handelt es sich um eine hormonell bedingte Reaktion, die vor allem bei unkastrierten Hündinnen nach der Läufigkeit auftritt. In diesem Artikel erfahren Sie, wie eine Scheinschwangerschaft entsteht, welche Anzeichen typisch sind, wie lange sie dauert und wann ein Tierarztbesuch sinnvoll wird.
Inhalt
Kurzüberblick
Eine Scheinschwangerschaft beim Hund ist eine hormonell bedingte Reaktion nach der Läufigkeit, die oft bei unkastrierten Hündinnen auftreten kann. Typische Symptome sind geschwollene Zitzen, Milchbildung, Nestbau, Jaulen, Hecheln und Verhaltensänderungen.
Was ist die Scheinschwangerschaft bei Hunden?
Die Scheinschwangerschaft beschreibt eine hormonelle Phase nach der Läufigkeit, in der der Körper der Hündin eine Trächtigkeit vorgaukelt, obwohl gar keine Befruchtung stattgefunden hat.
Warum zeigen Hunde eine Scheinträchtigkeit?
Die Ursache dafür liegt vor allem im Hormonhaushalt der Hündin. Nach der Läufigkeit steigt zunächst das Hormon Progesteron an und fällt später wieder ab. Gleichzeitig kann das Hormon Prolaktin vermehrt ausgeschüttet werden. Dieses Hormon fördert das mütterliche Verhalten bei Hunden und ebenso die Milchbildung. Unkastrierte Hündinnen im geschlechtsreifen Alter sind besonders davon betroffen. Manche Tiere zeigen nur leichte Symptome, andere reagieren deutlich stärker auf die hormonellen Veränderungen.
Aus evolutionsbiologischer Sicht hatte dieses Verhalten einen besonderen Nutzen: In Wolfsrudeln konnten Weibchen die Versorgung von Welpen unterstützen, selbst wenn sie keine eigenen Jungen hatten.
Wann tritt eine Scheinschwangerschaft auf?
Typischerweise beginnt eine Scheinschwangerschaft etwa sechs bis zwölf Wochen nach der Läufigkeit bei. Sie steht damit in engem Zusammenhang mit dem natürlichen Zyklus der Hündin. Etwa ein Viertel aller nicht kastrierten Hündinnen ist davon betroffen.
Viele Halterinnen bzw. Halter bemerken die ersten Anzeichen meist dann, wenn sich das Verhalten ihrer Hündin plötzlich verändert oder auffällige körperliche Symptome wie z. B. geschwollene Zitzen auftreten.
Wie lange dauert die Scheinträchtigkeit an?
Üblicherweise reguliert sich der Hormonspiegel innerhalb von ca. zwei bis drei Wochen wieder und die Symptome klingen ab. Bei manchen Hündinnen verschwinden sie schneller, bei anderen können sie länger bestehen bleiben.
Oft verläuft die Scheinschwangerschaft in mehreren Phasen: Zunächst treten Verhaltensänderungen auf, später folgen körperliche Symptome wie Milchbildung oder geschwollene Zitzen.
In den meisten Fällen klingen die Beschwerden von selbst wieder ab. Stress, starke Aufmerksamkeit oder bestimmte Verhaltensweisen der Halterinnen bzw. Halter können die Symptome jedoch unbeabsichtigt verstärken, beispielsweise durch intensives Bemitleiden.
Scheinschwangerschaft beim Hund: Symptome erkennen
Eine Scheinschwangerschaft bei Hündinnen kann sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen – sowohl körperlich als auch beim Verhalten.
Körperliche Anzeichen einer Scheinschwangerschaft bei Hündinnen
- geschwollene Milchleisten oder Zitzen
- Milchbildung
- vermehrtes Hecheln
- Appetitveränderungen
- Müdigkeit oder innere Unruhe
Nicht jede Hündin entwickelt alle aufgeführten Symptome. Manche zeigen nur leichte Veränderungen, während andere deutlich stärker betroffen sind.
Verhaltensänderungen durch Scheinschwangerschaft
Neben körperlichen Symptomen treten oft deutliche Verhaltensänderungen auf. So beginnen viele Hündinnen mit dem sogenannten Nestbau: Sie sammeln beispielsweise Decken, Kissen, Kuscheltiere oder Spielzeuge und bewachen diese.
Typische Verhaltensweisen sind außerdem:
- starke Anhänglichkeit
- Rückzug oder erhöhte Reizbarkeit
- Jaulen und Winseln
- teilweise aggressives Verhalten gegenüber Menschen oder anderen Tieren
Jaulen: Darum werden viele Hündinnen in der Scheinträchtigkeit unruhig
Jaulen oder Winseln entsteht häufig durch die hormonelle Umstellung und den verstärkten Mutterinstinkt. Manche Hündinnen wirken dadurch nervös, rastlos oder suchen ständig Ihre Nähe.
Leichtes Jaulen gilt meist als normal. Wenn Ihre Hündin jedoch dauerhaft unruhig ist, Schmerzen zeigt oder kaum noch zur Ruhe kommt, sollten Sie die Beschwerden tierärztlich abklären lassen.
Vermehrtes Hecheln – harmlos oder ein Warnsignal?
Auch Hecheln kann während einer Scheinschwangerschaft auftreten. Die hormonelle Belastung und innere Unruhe führen bei vielen Hunden zu erhöhter Nervosität.
Wichtig ist jedoch die Unterscheidung zwischen normalem Hecheln und möglichen Warnsignalen. Treten zusätzlich Fieber, starke Schmerzen, Abgeschlagenheit oder auffällige Schwellungen auf, kann dies auf Komplikationen wie eine Entzündung hinweisen. In solchen Fällen sollten Sie Ihre Hündin tierärztlich untersuchen lassen.
Ist eine Scheinschwangerschaft beim Hund gefährlich?
In der Regel sind leichte Symptome einer Scheinschwangerschaft medizinisch meist kein Grund zur Sorge. Sie gehören bei vielen unkastrierten Hündinnen zum natürlichen Zyklus und verlaufen ohne ernsthafte Folgen.
Problematisch kann es allerdings werden, wenn die Symptome sehr stark ausgeprägt sind oder regelmäßig auftreten. Mögliche Komplikationen können dann sein:
- Mastitis (Gesäugeentzündung)
- psychischer Stress
- Futterverweigerung
- starke Unruhe oder Aggressivität
- langfristige hormonelle Belastungen
Scheinschwangerschaften werden manchmal stark dramatisiert. Aus medizinischer Sicht sind milde Verläufe jedoch meist harmlos. Hier kommt es darauf an, wie groß die Beschwerden Ihrer Hündin sind und ob sie sehr darunter leidet.
Scheinschwangerschaft beim Hund: Was tun?
Wie bereits erwähnt ist eine Scheinschwangerschaft bei Hunden nichts Ungewöhnliches. Viele Symptome verbessern sich bereits durch einen angepassten Alltag. Das können Sie aktiv tun, um Ihre Hündin zu unterstützen:
- Bewusste Ablenkung & Bewegung: Ausgiebige Spaziergänge können Ihren Vierbeiner ablenken und halten gleichzeitig sowohl Sie als auch Ihren Hund fit und vital.
- Geistige Beschäftigung: Kopfarbeit lenkt Ihren Hund nicht nur ab, sondern lastet ihn zudem aus. Üben Sie Tricks und neue Kommandos, sofern der individuelle Zustand Ihrer Hündin dies zulässt. Ist das nicht der Fall, sollten Sie Ihrem Hund ausreichend Ruhe schenken.
- Kuscheltiere oder Spielzeuge meiden: Um den Nestbautrieb nicht weiter anzukurbeln, kann es ratsam sein, Kuscheltiere und Spielzeuge über die Dauer der Scheinträchtigkeit sicher zu verwahren. Aber: Achten Sie hier genau darauf, wie Ihr Hund mit dem fehlenden Welpenersatz zurechtkommt. Manche Hündinnen leiden dann noch mehr.
- Zustand keine Aufmerksamkeit schenken: Bemitleiden Sie Ihren Hund nicht und schenken Sie ihm während der Phase der Scheinträchtigkeit nicht mehr Aufmerksamkeit als sonst. Das könnte die Symptome nur weiter verstärken.
Gibt es Hausmittel, die Hündinnen bei einer Scheinschwangerschaft helfen?
Da es sich um einen natürlichen Prozess handelt, gibt es wenig Hausmittel, die wirklich Abhilfe schaffen. Oftmals begegnet man dem Tipp, Schwellungen durch kühle Kompressen zu lindern. Da diese die Gesäugeleiste jedoch stimulieren und so unbeabsichtigt die Scheinschwangerschaftssymptome verschlimmern können, wird davon eher abgeraten. Leckt die Hündin oft über ihre Milchleiste, kann eine leichte Hundejacke oder ein Schutzkragen sie davon abhalten.
Manche Hunde reagieren auf den Stress in dieser sensiblen Phase mit Appetitverlust oder Übelkeit. Für sie ist eine schonende Kost, wie z. B. die MAXiDOG Cura Karotten-Apfel-Suppe, übergangsweise empfehlenswert.
Wann ist ein Besuch bei der Tierärztin bzw. beim Tierarzt notwendig?
Sie sollten tierärztlichen Rat einholen, wenn
- die Symptome ungewöhnlich lange anhalten,
- starke Schmerzen auftreten,
- die Milchleisten entzündet wirken,
- Ihre Hündin Fieber entwickelt,
- sie kaum frisst oder sehr apathisch wirkt,
- starke Beschwerden regelmäßig wiederkehren.
Unter Umständen sind dann Medikamente notwendig, die die Produktion von Prolaktin hemmen und so starke Symptome lindern können.
Kann man einer Scheinträchtigkeit beim Hund vorbeugen?
Da hormonelle Prozesse die Hauptursache sind, lassen sich Scheinschwangerschaften nur schwer vorbeugen.
Eine Kastration kann langfristig Scheinträchtigkeiten unterbinden – bietet jedoch keine Akut-Lösung. Wird der Eingriff als Reaktion auf die Scheinschwangerschaft unternommen, so kann es unmittelbar nach der OP erneut zu einer Scheinträchtigkeit kommen, da der Prolaktin-Spiegel zunächst ansteigt. Bei starken oder regelmäßig wiederkehrenden Beschwerden kann eine Kastration sinnvoll sein. Allerdings sollte diese Entscheidung vorab gut abgewogen werden.
Fazit: Scheinschwangerschaft begleiten und entsprechend reagieren
Eine Scheinschwangerschaft bei Hunden ist in der Regel eine natürliche hormonelle Reaktion nach der Läufigkeit und in den meisten Fällen harmlos. Viele Symptome können Sie durch den richtigen Umgang gut begleiten. Stellen Sie jedoch fest, dass die körperlichen und emotionalen Veränderungen großen Stress für Ihre Hündin bedeuten oder schlimmere Symptome wie Schmerzen, Fieber oder Entzündungen hinzukommen, sollten Sie tierärztlichen Rat einholen.
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